Landstuhl (kobinet) Karsten Lutz arbeitet seit 1997 für die Westpfalz-Werkstätten im rheinland-pfälzischen Landstuhl und wirkt dort seit 2005 im Rahmen einer Stabsstellenfunktion als Fachkraft für die betriebliche Inklusion. Was möglich ist, wenn die betriebliche Inklusion sozusagen zur Chefsache in einer Werkstatt für behinderte Menschen erklärt wird, zeigen die 88 Vermittlungen ins Budget für Arbeit seitdem dieses im Jahr 2006 in Rheinland-Pfalz gestartet wurde. kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul führte daher folgendes Interview mit Karsten Lutz zu den Möglichkeiten und Grenzen des Budget für Arbeit.

Nieder-Olm (kobinet) Christian Blasig hat vor ca. 12 Jahren als Bäckerhelfer gefördert durch das Budget für Arbeit bei einer Bäckerei begonnen, nach sieben Jahren hat er seinen Arbeitsplatz aufgrund der Firmeninsolvenz verloren. Vor fünf Jahren hat er dann in der Seniorenresidenz der Verbandsgemeinde Nieder-Olm begonnen. Er wird wieder mit dem Budget für Arbeit gefördert. Er arbeitet nun in der Küche. Gracia Schade vom Projekt Kommune Inklusiv aus Nieder-Olm führte folgendes Interview mit Christian Blasig im Vorfeld der Werkstättenmesse, die vom 27. - 30. März in Nürnberg stattfindet und bei der das NETZWERK ARTIKEL 3 in Halle 12.0 am Stand 213 über das Budget für Arbeit informiert.

Stuttgart: Zu einem Fachgespräch zum Budget für Arbeit am 3. April von 13.30 Uhr – 16.30 Uhr lädt das Zentrum selbstbestimmt Leben Stuttgart (ZsL) in die Räume des ZsL, Reinsburgstraße 56, in 70178 Stuttgart unter dem Motto "Wege aus der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Das Budget für Arbeit: alter Wein in neuen Schläuchen?! - Erfahrungen einer rheinland-pfälzischen Werkstatt" ein.

Marianne MünzBad Kreuznach: Marianne Münz aus Bad Kreuznach hat 30 Jahre in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) gearbeitet. Heute ist sie Mitarbeiterin des Projektes inklusiv leben lernen des Bistum Trier, das mit einer Reihe von Organisationen kooperiert. Die Beschäftigung wurde u.a. deshalb möglich, da der Arbeitgeber den Zuschuass aus dem Budget für Arbeit bekommt. In einem Statement im Vorfeld der Werkstättenmesse in Nürnberg, bei der sie am 29. und 30. März am Infotand zum Buget für Arbeit des NETZWERK ARTIKEL 3 in Halle 12.0 mit der Standnummer 213 mitwirkt, macht Marianne Münz deutlich, dass sie jetzt endlich die Arbeit machen kann, die sie schon immer machen wollte - dank des Budget für Arbeit.

"Das Budget für Arbeit bedeutet für mich, ich kann jetzt die Arbeit machen, die ich immer schon machen wollte. Ohne das Budget hätte ich die Stelle nicht annehmen können. Ich brauche für meine Arbeit eine gute Arbeitsassistentin, um diese Arbeit gut machen zu können. Ich habe 30 Jahre in der Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) gearbeitet, ohne das Budget würde ich heute immer noch dort arbeiten", berichtet Marianne Münz.

Berlin: In ihrer Kleinen Anfrage (Drs. 19/7590) hatte die FDP-Bundestagsfraktion die Bundesregierung unter anderem gefragt, wie sie das Budget für Arbeit nach einem Jahr bewertet. Nachdem nun die Antwort ohne konkrete Zahlen über bisherige Nutzer*innen des Budget für Arbeit vorliegt, zog der teilhabepolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Jens Beeck folgende Zwischenbilanz: "Nach über einem Jahr liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse über das Budget für Arbeit vor. Sie kann keine Auskunft darüber geben, wie viele Anträge gestellt und wie häufig diese abgelehnt wurden. Eines der zentralen Ziele des Bundesteilhabegesetzes war es, dass Menschen mit Behinderungen die Chance haben, aus einer Werkstatt in eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt zu wechseln. Wenn man sich allerdings erst Jahre nach Inkrafttreten eines Gesetzes mit den Auswirkungen beschäftigt, kann das Interesse an einem Erfolg nicht sonderlich groß sein."

Nürnberg: Wenn am 27. März die Tore für die diesjährige Werkstättenmesse in Nürnberg bis 30. März geöffnet werden, dann ist dieses Mal auch das NETZWERK ARTIKEL 3 mit einer Reihe von Partnern mit dabei. Unter dem Motto "Es muss nicht immer Werkstatt sein - Budget für Arbeit nutzen" gibt es am Stand 213 in Halle 12.0 Infos und Gespräche zu Alternativen zu Werkstätten für behinderte Menschen, wie zum Beispiel zur im Bundesteilhabegesetez verankerten Möglichkeit der Nutzung eines Budgets für Arbeit. Darauf hat Barbara Vieweg vom Vorstand des NETZWERK ARTIKEL 3 aufmerksam gemacht.

Ulm: Die angeführten Argumente sind vielfältig, warum es anscheinend so schwierig ist, behinderte Menschen aus Werkstätten für behinderte Menschen eine Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Um so verwunderlicher ist es, welche Steine einem Friseur in Ulm und dem 18jährigen Hans Jakob, der mit Down Syndrom lebt, von Amts wegen in den Weg gelegt werden, um eine angestrebte gleichberechtigte Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu verhindern. Britta Schade vom Stuttgarter Zentrum selbstbestimmt Leben (ZsL) hat die kobinet-nachrichten auf einen Bericht in der Südwest Presse und in stern tv aufmerksam gemacht, der bei vielen Kopfschütteln auslöst.

Kassel (kobinet) Graf Zahl hat es geschafft, seit kurzem arbeitet er - wie in den kobinet-nachrichten berichtet - im Jenaer Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen im Rahmen eines Budgets für Arbeit. Den Tipp dafür hat er vom Krümelmonster bekommen, das ebenfalls einen Job mit dem Budget für Arbeit in einer Keksfabrik bekommen hat. Wie es dem Krümelmonster mit dem neuen Job geht, welche Kraft das Peer Counseling auch für die renommierten Sesamstraße-Akteure hat und wie das im Job eines Krümelmonsters in einer Keksfabrik überhaupt funktionieren kann, darüber sprach kobinet-Redakteur Ottmar Miles-Paul mit dem Krümelmonster am Rande eines seiner karnevalistischen Auftritte in Nordhessen.

Erfurt: Während man bundesweit von einem Durchschnittslohn von ca. 180 Euro pro Monat für behinderte Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) ausgeht, ist dieser Satz in den 31 Thüringer Werkstätten mit ca. 10.200 beschäftigten behinderten Menschen wohl noch geringer. Wie die Ostthüringer Zeitung berichtet, gab das Thüringer Sozialministerium für 2016 das Durchschnittseinkommen in den Thüringer Werkstätten mit 168 Euro an.

Berlin/Saarbrücken: Das Saarland steht behindertenpolitisch derzeit vor allem wegen des Kampfes von Markus Igel für eine bedarfsgerechte Finanzierung seiner Persönlichen Assistenz im Fokus der öffentlichen Interesses. Der saarländische Landtagsabgeordnete der Linken Ralf Georgi forderte nun von der saarländischen Landesregierung mittels einer Anfrage im Landtag Informationen zum Thema Menschen mit Behinderungen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Dabei ging es ihm insbesondere um die Vermittlungsquoten der Werkstätten für behinderte Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. Dr. Martin Theben hat sich die Antwort angeschaut und ist angesichts der geringen Vermittlungszahlen von 31 Personen in fast fünf Jahren schockiert.

Jena (kobinet) Nachdem das Datenmaterial über behinderte Menschen, die ein Budget für Arbeit nutzen, das seit dem 1. Januar 2018 nun auch bundesweit gesetzlich verankert ist, noch sehr dünn ist, könnte eine Neueinstellung des Zentrum für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen in Jena (ZsL) evtl. neue Kapazitäten für die Erfassung dieser Daten bringen. Dort arbeitet seit kurzem Graf Zahl aus der Sesamstraße im Rahmen eines Budget für Arbeit. Barbara Vieweg führte mit dem bekannten Vampir und Zähler ein Interview über seinen neuen Job und wie es zum Budget für Arbeit kam.